eLab SoSe 12

SOFT INTERFACES – eLab-Projekt im SS12

 

Durch neue technologische Entwicklungen können Oberflächen heute mit Schnittstellen ausgestattet werden, die auf ihre Umgebung reagieren, wodurch sich ein ganzes Spektrum neuer visueller und struktureller Möglichkeiten entfaltet.

Bradley Quinn, Design Futures (2011)

 

Die Rolle der Oberflächen ist im Wandel. Offenkundig gewinnen sie eine höhere Funktionalität und sogar „Intelligenz“, und damit eine nie dagewesene Komplexität, die sie aus dem Reich der reinen Dekoration heraushebt; dabei bleiben sie weiterhin unmittelbar durch unsere sensorischen Modalitäten – den Seh-, Tast-, Hör und Geruchssinn – definiert und erfahrbar. Schon 2002 hat Ellen Lupton das sich damals gerade entwickelnde neue Designparadigma in ihrem Buch „Skin: Surface, Substance + Design“ zusammengefasst, wobei sie die New Design Organics folgendermaßen beschrieb: „Das Primat des Skeletts ist durch das Primat der Haut ersetzt worden. Die Oberflächen haben an Tiefe gewonnen und sind zu dichten, komplexen Stoffen geworden, mit eigenständigen Identitäten und Verhaltensweisen. Neue Materialien reagieren auf Licht, Wärme, Berührung und mechanische Einwirkung. An die Stelle von Transparenz und Dauerhaftigkeit sind Transluzenz und Veränderbarkeit getreten. Die äußere Hülle hat sich von ihrem Inhalt abgelöst. Flexible Membranen werden zu Trägern digitaler und mechanischer Netzwerke.“

 

Diese Entwicklungen verdanken sich vor allem den Fortschritten in der Technologie und in den Materialwissenschaften. Computersysteme werden immer kleiner, und die Datenverarbeitung integriert sich direkt und unsichtbar in unsere Umgebungen, Objekte und Handlungen, wofür der Begriff Ubiquitary Computing steht. Ein großer Teil dieser bahnbrechenden Forschung findet dabei im Bereich der Soft Technologies statt, zu denen auch flexible Elektronik und elektronische Textilien zählen – die Gebiete, von denen wir bei unseren gestalterischen und technologischen Untersuchungen ausgehen.

 

Das fachübergreifende Projekt SOFT INTERFACES zielt darauf, über experimentelle Designansätze reaktive Oberflächensysteme oder tangible (berührbare, dingliche) Schnittstellen für den Körper und seine verschiedenen Umgebungen zu entwerfen und als Prototyp zu realisieren. Digitales und Analoges gehen eine Fusion ein. Der immaterielle Code und die materielle Mechatronik, in Verbindung mit der Erforschung von Materialeigenschaften, werden als Ebenen genutzt, um Schnittstellen für bedeutungsvolle Interaktionen zu schaffen, seien sie informationsbezogen, spielerisch oder poetisch.

 

Einige der sich auf diesem Weg stellenden Fragen: Wie können nützliche Informationen auf fluide und intuitive Weise in das Leben der Menschen integriert werden? Was sind bedeutungsvolle Interaktionen und wie können sie im Kontext reaktiver Oberflächen und weicher, tangibler Schnittstellen unterstützt werden? Wie mögen die neuen Interaktionsszenarien aussehen und welche Design- oder sonstigen Methoden sollte man nutzen, um sie zu gestalten? Welche Rolle spielen Materialität, die Sinne und Ästhetik in diesem Kontext?

 

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IZM, System Integration and Interconnection Technologies in Berlin und der Fraunhofer-Gesellschaft, München durchgeführt. Es wird ergänzt durch thematische Vorträge, praktische Workshops und Besprechungen mit einer Reihe in ihren Forschungsbereichen international anerkannter Experten. Eine Auswahl einzelner Projekte, die im Rahmen des SOFT INTERFACES-Projekts entstanden sind, werden im Herbst 2012 in einer größeren Ausstellung des Fraunhofer Forums in München gezeigt.

 

EXPERTEN:

* Berit Greinke, E-Textilien-Designerin/Forscherin an der Queen Mary University of London, DE/UK 

(Fokus: Textilien & Sound) 

* Fabian Hallstein, Interaction-Designer, Pixelpark AG

(Fokus: Interaction-Design)

* Dr. Andreas Neudeck, Materialwissenschaftler/-forscher am Institut für Spezialttextilien and Flexible Materialien – TITV Greiz

(Fokus: e-textiles-Technologien)

* Phillip Foerster, Wissenschaftler/Forscher am Fraunhofer IZM, Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration

(Fokus: Integration von Mikroelektronik in flexible Oberflächen)

* Mika Satomi e-textiles und Interaction-Designer/-Forscher am Smart Textile Design Lab der Textilehögskolan in Borås, Sweden, Mitgründer von KOBAKANT, JP/SE 

(Fokus: textile Sensoren und Interaction-Design)

 

KERNPROGAMM

 

+ Interaktive Technologien (3., 4. + 10., 11. April)

 

Das Projekt beginnt mit einem 4-tägigen Workshop zu „interaktiven Technologien“, der von Fabian Hallstein, Interaction Designer, und Phillip Foerster vom Fraunhofer IZM geleitet wird. Eine Einführung in „Smart Textiles Engineering“ durch Andreas Neudeck vom Institut für Spezialttextilien and Flexible Materialien (TITV Greiz) wird einen Überblick über das Potential und die Grenzen von „weichen Technologien“ und „E-Textilien“ geben. Teil des Workshops wird eine Exkursion zum Fraunhofer IZM in Berlin sein.

 

+ Sensing Through Fabric (16.-18. April)

 

Dem Workshop zu „interaktiven Technologien“ folgt ein dreitägiger Workshop zur „Sensing Through Fabric“ (Wahrnehmung durch Gewebe) von Mika Satomi vom Smart Textile Design Lab der „Textilehögskolan“ in Borås, Schweden. In diesem praxisorientierten Workshop werden die Teilnehmer mit verschiedenen leitenden Materialien in Verbindung mit Arduino/Lilypad experimentieren, und lernen, wie man textile Sensoren (Biegen, Dehnen, usw.) und weiche Schaltkreise konstruiert, die ein neues Medium zukünftiger Ausdrucksmöglichkeiten sein können. Während des Workshops sollen die Teilnehmer eigene Ideen für textile Sensoren entwickeln und funktionierende Prototypen realisieren. Der Workshop zielt darauf, zu begreifen, wie wir unsere Körperbewegungen über textile Sensoren wahrnehmen können, und zu erfahren, wie wir diese Möglichkeiten für kreative Projekte nutzen können.

 

+ Amplifying Textiles – Textile and Sound Laboratory (23.-25. April)

 

Dieser Workshop wird von Berit Greinke geleitet, deren Forschungsschwerpunkt in der Beziehung von Textildesign und (digitalem) Klang liegt, und eröffnet einen näheren Blick auf die möglichen Verbindungen zwischen Textilien, Material allgemein und Klanggestaltung. Die Teilnehmer erhalten Einblicke darin, wie man einfache Synthesizer oder „sonifizierte“ Textilobjekt konstruiert – unter Verwendung leitender Materialien und analoger wie digitaler elektronischer Werkzeuge. Sie können hierbei auf die im vorhergehenden Workshop entwickelten textilen Sensoren zurückgreifen und sie in diese Aufgabe einbeziehen. Prozesse der „Daten-Sonifizierung“ werden ebenso vermittelt wie die Möglichkeiten, aus textilen Materialien eigene „Musikinstrumente“ herzustellen.

 

+ Interaktive Technologien: Arduino- und Processing-Kurs (wöchentlich, dienstags und nach Vereinbarung)

 

Durch die Teilnahme an den wöchentlichen eLab-Übungen können die Projektteilnehmer Programmier- und Prototyping-Kompetenzen (Arduino und Processing) erwerben und/oder erweitern.

 

+ Projekt-Kolloquium (wöchentlich, montags 14 Uhr – 18 Uhr)

 

Projekt-Besprechungen: Designkonzept und ästhetische Umsetzung, kontextuelle und gestalterische Forschungsmethoden. Dies schließt auch ein selbst recherchiertes Referat zum Unterthema des jeweiligen Projekts mit ein.

 

+ Farbfest Bauhaus Dessau

 

In Ergänzung zum Projekt SOFT INTERFACES wird die (freiwillige) Teilnahme an der in das Projekt einbezogenen Veranstaltung Farbfest Bauhaus Dessau zum Thema Klang-Farbe-Raum nahegelegt.

Mehr Informationen dazu auf der KHB-Website

 

Prof. Dr. Zane Berzina

Lucas Bahle

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